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"Germanistik in Afrika Subsahara" ist eine Selbstdarstellung von
afrikanischen Germanistinnen und Germanisten aus diesem Teil des
Kontinents. Sie bezweckt eine stärkere Vernetzung der
Deutschabteilungen an den dortigen Universitäten sowie die
Erleichterung einer Kommunikation dieser Abteilungen mit
germanistischen Einrichtungen an deutschen Hochschulen.Das Hochschulwesen in Afrika südlich der Sahara und die dort praktizierten Curricula sind zum Teil ein kolonialgeschichtliches Erbe. Als Erbe des französischen Schulsystems wurde der Deutschunterricht in den Sekundarschulen der ehemaligen französischen Kolonien beibehalten; das hat in den unabhängig gewordenen Ländern einen Bedarf an Deutschlehrern geschaffen. In den ersten Jahren nach den Unabhängigkeiten wurde dieser Bedarf noch von französischen und deutschen Lehrern gedeckt. Aber alsbald gingen die afrikanischen Regierungen dazu über, einheimische Lehrkräfte an den neu gegründeten Landesuniversitäten oder im Ausland ausbilden zu lassen. So wurde Mitte der 60er Jahre zunächst in Abidjan (Côte d'Ivoire) eine Deutschabteilung gegründet, in der eine erste Generation von Germanistikstudenten aus Senegal, Kamerun, Togo, Benin, Burkina Faso, Gabun und der Zentralafrikanischen Republik, zumeist mit einem "Sur-Place-Stipendium" des DAAD, ihr Grundstudium absolvieren konnte. Anfang der 70er Jahre und in den 80er Jahren kam es dann in Senegal, Togo, Kamerun, Benin, Burkina Faso und Mali zur Gründung ähnlicher Einrichtungen. Die dort betriebene afrikanische Germanistik versteht sich als eine interkulturelle Disziplin, die in Forschung und Lehre Bedingungen und Perspektiven gesellschaftlicher Entwicklung reflektiert. Sie bietet ein vielschichtiges Bild von Theorie und Praxis einer kritischen Entwicklungs-Wissenschaft, die Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Länder "doppeltblickend" mit Geschichte und Gegenwart der eigenen Gesellschaften kontrastiert. Indem sie in ihren drei Arbeitsbereichen Literaturwissenschaft, Linguistik und Landeskunde gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen und aktuelle Diskurse wie z.B. Fragen der Globalisierung und der Identitätskonstruktion aufgreift, ist sie bemüht, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und Kräfte gegen eine "zweite Zerstörung" Afrikas zu mobilisieren. (Joseph Gomsu) |
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