| CALL FOR PAPERS |
|
|
|
| Geschrieben von Webmaster | |
| Freitag, 14. August 2009 | |
CALL FOR PAPERS für die ERSTE GEMEINSAME TAGUNGanlässlich der ersten Fußballweltmeisterschaft in Afrika Germanistik in Afrika Subsahara (GAS) und Germanistenverband im Südlichen Afrika (SAGV) UNIVERSITÄT STELLENBOSCH* (*Nächster Flughafen Kapstadt) 14.–18. März 2010 Anreisetag: 14. März, Abreisetag 18. März 2010 Tagungsthema: Spiel und Leidenschaft
C A L L F O R P A P E R S für die E R S T E G E M E I N S A M E T A G U N G anlässlich der ersten Fußballweltmeisterschaft in Afrika Germanistik in Afrika Subsahara (GAS) und Germanistenverband im Südlichen Afrika (SAGV) UNIVERSITÄT STELLENBOSCH* (*Nächster Flughafen Kapstadt) 14. – 18. März 2010 Anreisetag: 14. März, Abreisetag 18. März 2010 T a g u n g s t h e m a Spiel und Leidenschaft Während Alfred Andersch 1960 meinte, dass sich kein Schriftsteller mehr für den Sport als Motiv oder den Sportler als Helden interessiere, stellt Siegfried Lenz 1997 fest, dass es durchaus weiterhin eine Vielzahl von Sportliteratur gebe, die aber leider oft übersehen, übersprungen oder verschmäht wird. Die literarische Welt hat also ihre Probleme mit dem Sport. Marcel Reich-Ranicki bestätigt diese problematische Beziehung und gibt dafür eine überraschende Erklärung: Bei ihm persönlich rührt die Abneigung gegen Fußball als populärste moderne Spielart von dem Bewusstsein, dass der Sport eine Konkurrenz für die Literatur darstellt. Dabei hatte auch Schiller die Nähe des Spiels zum ästhetischen Ausdruck erkannt und statt Neid zu empfinden, das Spiel zur Grundbedingung des Menschseins erhoben. In seinem bekannten Text „Die ästhetische Erziehung des Menschen“ heißt es nämlich: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Schiller ging allerdings von einer Vorstellung des Spiels aus, wie sie der niederländische Kulturanthropologe Johann Huizinga später formulieren wird: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen aber unbedingt verbindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl von Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins’ als das gewöhnliche Leben“. Das Spiel wird somit zu einer Praxis erklärt, die eine erhabene Dimension des Menschen verrät. Der Homo Ludens (der spielende Mensch) wird im Gegensatz zum Homo Oeconomicus (dem zweckorientiert handelnden Menschen) sowie zum Homo Faber (dem herstellenden Menschen) und gar zum kriegführenden Menschen definiert. In den heutigen professionell organisierten Spielen - und nicht nur dort - kann man aber kaum mehr von Zwecklosigkeit sprechen. Im Gegenteil: Wie Siegfried Lenz es feststellt, ist der Sport heute von „Ideologie durchsäuert, als Profitquelle erschlossen, politisch indoktriniert und militärisch in Anspruch genommen als Übung für den Ernstfall“. Daher ist der Sport „ zu einer Erscheinung geworden, die nicht nur über Mythen und Moral einer Gesellschaft Auskunft gibt, sondern auch dem Problemverlangen der Literatur die vielfältigsten Angebote macht. Aus einem Phänomen von braver Eindeutigkeit hat sich eine ambivalente, widerspruchsvolle, von mächtigen Interessen und Neurosen verdunkelte Teilwelt entwickelt“. Angesichts dieser Entwicklung lädt Lenz die Literatur und das heißt auch die Literaturwissenschaft dazu ein, die Analyse und die Bewältigung dieser Probleme nicht allein der Soziologie zu überlassen.
Auch wir meinen, dass das Spiel und speziell der Sport eine so entscheidende Bedeutung in der Gesellschaft und in der Beziehung zwischen den Gesellschaften erlangt hat, dass die Geisteswissenschaften es sich nicht leisten können, das Phänomen zu ignorieren. Das Spiel erfährt auch eine so tiefe Veränderung in ihrer Funktionsbestimmung und in ihrer medialen Inszenierung, dass es uns notwendig erscheint, sich gerade in dem Jahr, wo die Fußballweltmeisterschaft zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet, kritisch damit auseinanderzusetzen: Dabei soll es darum gehen, das Spiel als Grundform der menschlichen Tätigkeit, als politisches und ökonomisches Mittel, als Ort der Entladung aber auch der Zähmung von Leidenschaft, als Objekt der literarischen und medialen Darstellung, als Gegenstand leidenschaftlicher Auseinandersetzungen zu untersuchen.
Wir erwarten vor allem kulturhistorische und kulturphilosophische, literaturwissenschaftliche, medienwissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Untersuchungen sowie exemplarische Analysen von der ästhetischen Homologie und Analogie zwischen Spiel und Kunst. Die Behandlung von anderen hier nicht erwähnten Aspekten zum Tagungsthema ist natürlich auch willkommen.
Da die gesamte Tagung als Plenarveranstaltung geplant ist, muss die Anzahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen beschränkt bleiben. Deshalb werden Beitragsangebote in deutscher Sprache zum Tagungsthema nur von Mitgliedern von GAS und des SAGV erbeten und ausgewählt. Geplant ist eine anschließende Veröffentlichung der Beiträge.
Anmeldung eines Referats (Dauer 20 Minuten, 10 Minuten Diskussion) mit Zusammenfassung (200-250 Wörter) und Angaben zu Person und Institution sowie E-Mail-Adresse bitte bis zum 15. August 2009 per E-Mail an den Präsidenten des SAGV, Dr. Rolf Annas, E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können Einzelheiten zur Tagung werden den ReferentInnen mit der Vortragsannahme mitgeteilt. Aktuelle Informationen zur Tagung finden Sie auf den Webseiten der Verbände: GAS: http://www.gas-verband.org/ SAGV: http://www.sagv.org.za/ |
|
| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 2. September 2009 ) |
| < zurück | weiter > |
|---|







CALL FOR PAPERS für die ERSTE GEMEINSAME TAGUNG








