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Montag, 21. Mai 2012
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Geschrieben von Webmaster   
Freitag, 14. August 2009
CALL FOR PAPERS für die ERSTE GEMEINSAME TAGUNG
anlässlich der ersten Fußballweltmeisterschaft in Afrika
Germanistik in Afrika Subsahara (GAS) und Germanistenverband im Südlichen Afrika (SAGV)
UNIVERSITÄT STELLENBOSCH* (*Nächster Flughafen Kapstadt)
14.–18. März 2010
Anreisetag: 14. März, Abreisetag 18. März 2010
Tagungsthema: Spiel und Leidenschaft

 

C A L L   F O R   P A P E R S

für die

E R S T E   G E M E I N S A M E   T A G U N G

anlässlich der ersten Fußballweltmeisterschaft in Afrika

Germanistik in Afrika Subsahara (GAS)

und

Germanistenverband im Südlichen Afrika (SAGV)

UNIVERSITÄT STELLENBOSCH*

(*Nächster Flughafen Kapstadt)

14. – 18. März 2010

Anreisetag: 14. März, Abreisetag 18. März 2010

T a g u n g s t h e m a

Spiel und Leidenschaft

Während Alfred Andersch 1960 meinte, dass sich kein Schriftsteller mehr für den Sport als

Motiv oder den Sportler als Helden interessiere, stellt Siegfried Lenz 1997 fest, dass es

durchaus weiterhin eine Vielzahl von Sportliteratur gebe, die aber leider oft übersehen,

übersprungen oder verschmäht wird. Die literarische Welt hat also ihre Probleme mit dem

Sport. Marcel Reich-Ranicki bestätigt diese problematische Beziehung und gibt dafür eine

überraschende Erklärung: Bei ihm persönlich rührt die Abneigung gegen Fußball als

populärste moderne Spielart von dem Bewusstsein, dass der Sport eine Konkurrenz für die

Literatur darstellt. Dabei hatte auch Schiller die Nähe des Spiels zum ästhetischen Ausdruck

erkannt und statt Neid zu empfinden, das Spiel zur Grundbedingung des Menschseins

erhoben. In seinem bekannten Text „Die ästhetische Erziehung des Menschen“ heißt es

nämlich: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist

nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Schiller ging allerdings von einer Vorstellung des Spiels

aus, wie sie der niederländische Kulturanthropologe Johann Huizinga später formulieren wird:

Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter

Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen aber unbedingt verbindenden

Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl von

Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins’ als das gewöhnliche Leben“.

Das Spiel wird somit zu einer Praxis erklärt, die eine erhabene Dimension des Menschen

verrät. Der Homo Ludens (der spielende Mensch) wird im Gegensatz zum Homo

Oeconomicus (dem zweckorientiert handelnden Menschen) sowie zum Homo Faber (dem

herstellenden Menschen) und gar zum kriegführenden Menschen definiert.

In den heutigen professionell organisierten Spielen - und nicht nur dort - kann man aber kaum

mehr von Zwecklosigkeit sprechen. Im Gegenteil: Wie Siegfried Lenz es feststellt, ist der

Sport heute von „Ideologie durchsäuert, als Profitquelle erschlossen, politisch indoktriniert

und militärisch in Anspruch genommen als Übung für den Ernstfall“. Daher ist der Sport „ zu

einer Erscheinung geworden, die nicht nur über Mythen und Moral einer Gesellschaft

Auskunft gibt, sondern auch dem Problemverlangen der Literatur die vielfältigsten Angebote

macht. Aus einem Phänomen von braver Eindeutigkeit hat sich eine ambivalente,

widerspruchsvolle, von mächtigen Interessen und Neurosen verdunkelte Teilwelt entwickelt“.

Angesichts dieser Entwicklung lädt Lenz die Literatur und das heißt auch die Literaturwissenschaft

dazu ein, die Analyse und die Bewältigung dieser Probleme nicht allein der

Soziologie zu überlassen.


Auch wir meinen, dass das Spiel und speziell der Sport eine so entscheidende Bedeutung in

der Gesellschaft und in der Beziehung zwischen den Gesellschaften erlangt hat, dass die

Geisteswissenschaften es sich nicht leisten können, das Phänomen zu ignorieren. Das Spiel

erfährt auch eine so tiefe Veränderung in ihrer Funktionsbestimmung und in ihrer medialen

Inszenierung, dass es uns notwendig erscheint, sich gerade in dem Jahr, wo die Fußballweltmeisterschaft zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet, kritisch damit auseinanderzusetzen: Dabei soll es darum gehen, das Spiel als Grundform der menschlichen

Tätigkeit, als politisches und ökonomisches Mittel, als Ort der Entladung aber auch der

Zähmung von Leidenschaft, als Objekt der literarischen und medialen Darstellung, als Gegenstand

leidenschaftlicher Auseinandersetzungen zu untersuchen.


Wir erwarten vor allem kulturhistorische und kulturphilosophische, literaturwissenschaftliche,

medienwissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Untersuchungen sowie exemplarische

Analysen von der ästhetischen Homologie und Analogie zwischen Spiel und Kunst. Die

Behandlung von anderen hier nicht erwähnten Aspekten zum Tagungsthema ist natürlich auch

willkommen.



Da die gesamte Tagung als Plenarveranstaltung geplant ist, muss die Anzahl der Teilnehmer

und Teilnehmerinnen beschränkt bleiben. Deshalb werden Beitragsangebote in deutscher

Sprache zum Tagungsthema nur von Mitgliedern von GAS und des SAGV erbeten und

ausgewählt. Geplant ist eine anschließende Veröffentlichung der Beiträge.



Anmeldung eines Referats (Dauer 20 Minuten, 10 Minuten Diskussion) mit Zusammenfassung

(200-250 Wörter) und Angaben zu Person und Institution sowie E-Mail-Adresse bitte

bis zum 15. August 2009 per E-Mail an den Präsidenten des SAGV, Dr. Rolf Annas,

E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Einzelheiten zur Tagung werden den ReferentInnen mit der Vortragsannahme mitgeteilt.

Aktuelle Informationen zur Tagung finden Sie auf den Webseiten der Verbände:

GAS: http://www.gas-verband.org/

SAGV: http://www.sagv.org.za/

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 2. September 2009 )
 
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